Wissen & Aufklärung
Veröffentlichungsdatum:
28.11.2025
Autorin:
Camila Blajos Razuk
Lesezeit:
6 Minuten
Wissen & Aufklärung
Veröffentlichungsdatum:
28.11.2025
Autorin:
Camila Blajos Razuk
Lesezeit:
6 Minuten
Viele Eigentümer:innen kennen die Situation: Draußen ist es grau, kalt und neblig – und die Frage liegt auf der Hand: „Lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage im Winter überhaupt?“ Wenn die Tage kurz sind, die Sonne tief steht und vielleicht noch Schnee auf dem Dach liegt, wirkt Solarstrom schnell wie eine Schönwetter-Technologie.
Schauen wir auf die Zahlen, wird klar: Photovoltaik ist ein Ganzjahres-Arbeiter – aber mit stark saisonaler Verteilung. Laut Deutschem Wetterdienst liegt die Globalstrahlung in Deutschland in den Wintermonaten nur bei einem Bruchteil der Sommerwerte; im Januar werden im Mittel oft nur um die 20–30 kWh Sonnenenergie pro Quadratmeter erreicht. Gleichzeitig wächst der Beitrag der Photovoltaik zur Stromversorgung seit Jahren deutlich: 2024 stammten bereits rund 15 % der Bruttostromerzeugung aus Solarenergie, Tendenz steigend.
Für Sie als Vermieter:in oder Projektentwickler:in bedeutet das:
Wie viel Strom erzeugen Solaranlagen tatsächlich im Winter? Und warum rechnen sich Photovoltaik und Mieterstrommodelle, trotz weniger Leistung, im Winter trotzdem?
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Viele Menschen unterschätzen, wie viel Solarstrom eine PV-Anlage auch in der dunklen Jahreszeit tatsächlich produziert. Ja – die Erträge sinken spürbar. Aber: PV liefert auch im Winter zuverlässig Strom, und die Werte sind besser, als viele erwarten.
Eine gute Orientierung bietet die monatliche Globalstrahlung in Deutschland. Sie bestimmt, wie viel Sonnenenergie überhaupt auf die Module trifft.
Quelle: Fraunhofer ISE, Deutscher Wetterdienst (DWD), PVGIS
Das bedeutet: Eine typische 10-kWp-Anlage erzeugt im Winter nur etwa 80–140 kWh pro Monat, während im Sommer 800–1.000 kWh möglich sind – der saisonale Unterschied ist also spürbar. Während die PV-Anlage im Sommerhalbjahr rund 70–90 % des jährlichen Solarstroms aufnimmt, sind es im Winter lediglich 10–20 %.
Laut DWD liegt die Globalstrahlung im Winter in Deutschland häufig nur zwischen 40 und 150 kWh/m² pro Monat – je nach Region und Wetterlage. Das ist etwa ein Viertel bis ein Zehntel dessen, was im Juni oder Juli erreicht wird.
Die wesentlichen Gründe:
Globalstrahlung beschreibt die gesamte Sonnenenergie, die auf eine bestimmte Fläche trifft – also die Summe aus direkter Sonnenstrahlung (die ungehindert auf die PV-Module fällt) und diffuser Strahlung (gestreutes Licht bei Wolken, Nebel oder Dunst).
Sie wird in kWh pro Quadratmeter (kWh/m²) gemessen und ist der wichtigste Faktor dafür, wie viel Strom eine Photovoltaikanlage im jeweiligen Monat erzeugen kann.Je höher die Globalstrahlung, desto höher der mögliche Solarertrag – unabhängig vom PV-Hersteller oder der Modultechnik.
Typische Werte in Deutschland:
Damit ist die Globalstrahlung der zentrale Grund, warum PV-Anlagen im Winter deutlich weniger Strom erzeugen.
Anhand öffentlich einsehbarer Fraunhofer-Daten und PVGIS-Standardprofile lassen sich typische Werte für verschiedene Regionen skizzieren:
Für die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage (egal ob Einfamilienhaus oder Mieterstromprojekt) entscheiden drei Dinge:
Dass Photovoltaikanlagen im Winter weniger Strom erzeugen, erscheint auf den ersten Blick logisch: Kürzere Tage, weniger Sonne, mehr Wolken – das versteht jede:r. Trotzdem lohnt es sich, die wichtigsten Ursachen genauer anzuschauen.
Warum? Weil diese Faktoren nicht nur erklären, wie stark der Winter die Erträge beeinflusst, sondern auch welche Stellschrauben Sie als Vermieter:in oder Anlagenbetreiber:in tatsächlich verbessern können – etwa durch Ausrichtung, Schneemanagement oder Verbrauchsoptimierung. Im Folgenden finden Sie die fünf zentralen Gründe, die den saisonalen Unterschied am deutlichsten erklären.
Im Dezember hat Deutschland je nach Region nur 8 Stunden Tageslicht, während es im Juni bis zu 16,5 Stunden sind. Das bedeutet: Weniger Zeit, in der die PV-Anlage überhaupt Energie aufnehmen kann. Und weniger Sonnenstunden heißt deutlich geringere Tageserträge.
Die Sonne steht im Winter viel flacher am Himmel. Dadurch trifft das Licht in einem ungünstigen Winkel auf die Module, verteilt sich die Energie auf mehr Fläche und sinkt die Intensität pro Quadratmeter.
Ein Beispiel: Im Juni erreicht der Sonnenstand mittags in Süddeutschland über 60° – im Dezember oft nur 10–15°.
Ergebnis: Die Einstrahlung ist schwächer, und die Module können weniger Strom aus derselben Fläche generieren.
Der Winter ist nicht nur dunkel, sondern auch wettertechnisch ungünstig:
Diffuse Strahlung ist zwar nutzbar, aber weniger wirksam als direkte Sonneneinstrahlung. Deshalb brechen die Erträge an vielen grauen Wintertagen spürbar ein.
Schnee kann zwei gegensätzliche Effekte haben:
Der realistische Effekt: In den meisten Wohngebieten ist Schnee eher ein kurzzeitiges Hindernis als ein dauerhafter Ausfall.
Da die Sonne flach steht, fallen Schatten (z. B. von Dachkanten, Bäumen, Nachbarhäusern) stärker ins Gewicht, Schmutz- oder Staubschichten werden schlechter vom Regen abgewasche und der Selbstreinigungseffekt nimmt ab. Diese Faktoren wirken sich nicht riesig aus, aber gerade im Winter summiert sich jedes Prozent.
Auch wenn die physikalischen Grenzen im Winter klar definiert sind, können Betreiber:innen einiges tun, um die Wintererträge zu stabilisieren und den nutzbaren Solarstrom zu erhöhen. Die folgenden Maßnahmen sind praxisbewährt, vergleichsweise einfach umzusetzen – und besonders relevant für Vermieter:innen und Mehrfamilienhausprojekte.
Eine klassische Südausrichtung mit 30–35° Neigung ist für den Jahresertrag optimal.
Für den Winter gilt jedoch:
Was heißt das in der Praxis?
Bei Mieterstromprojekten sind die Dachneigungen meist vorgegeben – und das ist völlig in Ordnung. Eine klassische 30–35°-Ausrichtung liefert trotz Winterbedingungen nahezu den optimalen Jahresmix.
Grundsätzlich gilt: Solarmodule sollten nicht aktiv von Laien vom Schnee befreit werden. Das Risiko von Glasbruch oder Absturz ist deutlich höher als der mögliche Ertragsgewinn.
Sinnvolle Maßnahmen:
Ein Stromspeicher erhöht im Sommer die Autarkie – aber im Winter verbessert er vor allem die Nutzbarkeit des wenigen erzeugten Solarstroms:
Gerade bei Mieterstromprojekten sind Speicher sinnvoll, um Stromspitzen einzufangen und den Direktverbrauch der Mieter:innen zu maximieren.
Viele moderne Wechselrichter und Smart-Meter-Systeme erkennen, wann Strom verfügbar ist.
Mit Lastmanagement lassen sich z. B.:
gezielt in sonnenstärkere Stunden legen.
Warum das wichtig ist: Im Winter gibt es oft nur wenige 1- bis 3-Stunden-Fenster mit brauchbarer Leistung – wer diese nutzt, verbessert seine Bilanz.
Zwei Maßnahmen, die oft unterschätzt werden:
Gerade im Winter, wenn die Einstrahlung niedrig ist, lohnt sich jeder Prozentpunkt mehr Transparenz.
Professionelle Reinigungen können den Winterertrag messbar verbessern, vor allem bei Anlagen in Städten oder mit viel Laub im Herbst.
Sie können den Winter nicht verändern, aber das Verhalten Ihrer Anlage schon. Optimale Modulneigung, Speicher, Lastmanagement und minimale Verschattung sorgen dafür, dass Ihre PV-Anlage auch in der dunklen Jahreszeit zuverlässig liefert.
Wenn es um Photovoltaik im Winter geht, dominiert oft ein Missverständnis: „Im Winter kommt ja kaum was raus, also lohnt es sich nicht.“ Das ist gleich doppelt falsch.
Erstens: PV-Anlagen leisten auch im Winter einen wichtigen technischen und wirtschaftlichen Beitrag.
Zweitens: Selbst wenn der Winter gar nichts liefern würde, bliebe eine PV-Anlage allein durch den Sommerbetrieb hochwirtschaftlich – weil dort der Großteil des Jahresertrags entsteht.
Die Realität ist also: PV lohnt sich wegen des Sommers – und sie lohnt sich zusätzlich auch im Winter.
70–90 % des Jahresertrags entstehen im Zeitraum April bis September. Im Winter kommen je nach Standort 10–20 % hinzu.
Das ist kein Nachteil, sondern schlicht der natürliche Jahresverlauf in Mitteleuropa. Der Sommer trägt die Wirtschaftlichkeit – der Winter liefert zusätzlich wertvollen Strom.
Während im Sommer viel Überschuss entsteht, ersetzt Winter-PV genau dann Strom, wenn:
Eine kWh PV-Strom reduziert daher im Winter mehr Kosten, weil sie dort eine teure Netz-kWh ersetzt.
Ein oft übersehener Punkt: Kälte steigert die PV-Performance.
Das bedeutet: Eine Stunde Wintersonne kann technisch effizienter sein als eine Stunde Sommerhitze.
Auch 200–600 Watt Winter-PV können relevante Verbraucher versorgen:
Diese Verbraucher laufen immer — Winter-PV wirkt hier direkt kostensenkend.
Durch smartes Lastmanagement, Speicher, optimierte Einbindung von Wärmepumpen, sonnengesteuerte Warmwasserbereitung lässt sich jede Winterstunde Strom gezielt nutzen.
Damit steigt die Eigenverbrauchsquote um +15–30 % (HTW Berlin).
PV-Anlagen sind im Sommer high-performance, im Winter effiziente Grundlast-Entlaster, sparen zu jeder Jahreszeit Kosten, steigern die Planbarkeit von Energiepreisen und unterstützen Wärmepumpen und Mehrfamilienhäuser. Der Sommer garantiert die Wirtschaftlichkeit. Der Winter steigert den Nutzen. PV lohnt sich nicht nur trotz Winter – sondern gerade wegen des Jahresmixes aus hohem Sommerertrag und wertvollem Winterstrom.
Rund um das Thema Photovoltaik im Winter kursieren viele Missverständnisse. Einige davon halten sich hartnäckig, weil sie intuitiv plausibel wirken – andere stammen aus veralteten Informationen oder aus pauschalen Aussagen über „Solarenergie in Deutschland“.
Zeit, aufzuräumen: Hier sind die häufigsten Irrtümer – und was wirklich stimmt.
Faktencheck: Photovoltaik funktioniert immer, wenn Licht auf die Module fällt – auch bei diffusem Licht, Nebel oder bedecktem Himmel. Moderne Module können selbst aus schwacher, gestreuter Strahlung noch Strom erzeugen.
Was stimmt:
Faktencheck: PV-Module arbeiten bei niedrigen Temperaturen effizienter. Grund: der negative Temperaturkoeffizient.
Das bedeutet:
Faktencheck: Rund 50–70 % der Winterstrahlung ist diffuse Strahlung – und PV-Module können diese sehr gut nutzen.
Selbst an grauen Tagen deckt eine PV-Anlage im Winter oft:
→ Grundlast wird zuverlässig gesenkt.
Faktencheck: Es gibt zwei Effekte:
A. Schnee auf den Modulen
B. Schnee vor/unter den Modulen (z. B. auf dem Dach)
Viele Anlagen räumen sich durch Neigung von selbst frei.
Faktencheck:
Der Winter ist kein Hindernis – sondern ein ergänzender Nutzen im Jahresmix.
Faktencheck: Speicher verbessern die Winterbilanz – aber sie sind keine Voraussetzung.
Selbst ohne Speicher fließt Winter-PV direkt in:
Ergebnis: Sofortige Stromkosteneinsparung, auch ohne Batterie.
Im Mieterstrommodell spielt der Winter eine deutlich kleinere Rolle, als viele Vermieter:innen zunächst vermuten. Denn Mieterstrom rechnet sich nicht über einzelne Monate, sondern über den Jahresertrag – und dieser ist mit hohen Sommererträgen stabil abgesichert. Dennoch hat Winter-PV im Mehrfamilienhaus eine funktional wichtige Bedeutung, die oft unterschätzt wird.
Während Einfamilienhäuser häufig Schwankungen zwischen Tages- und Abendlasten haben, gibt es im Mehrfamilienhaus eine permanente Grundlast: Beleuchtung, Haushaltsgeräte, Router, Lüftungsanlagen, Warmwasseraufbereitung. Selbst geringe PV-Erträge werden deshalb sofort genutzt, ohne dass sie ungenutzt ins Netz fließen. Das verbessert die Jahresbilanz spürbar.
Kurz gesagt: Winterstrom geht im MFH nicht verloren – er fließt direkt in den Verbrauch der Mieter:innen.
Einer der wichtigsten Effekte für Vermieter:innen:
Der im Winter erzeugte PV-Strom wirkt direkt preisdämpfend, selbst wenn es nur geringe Mengen sind. Im Winter ist der Strombedarf höher und die erneuerbare Einspeisung geringer. Dadurch ist der Bezug von Netzstrom besonders kostenintensiv – und jede kWh PV-Strom hilft, diese Last zu reduzieren.
Mieterstrom funktioniert dadurch jahreszeitlich stabil, ohne dass der Winter ein wirtschaftliches Risiko darstellt.
Bei der technischen und wirtschaftlichen Auslegung eines Mieterstromprojekts ist der Winter vollständig einkalkuliert.
Das heißt:
Damit spielt der Winter im Mieterstromprojekt weniger die Rolle eines „Risikos“, sondern eher die eines planbaren saisonalen Bausteins – mit klarem Nutzen für die Bewohner:innen.
Photovoltaik im Winter wird häufig unterschätzt. Tatsächlich zeigt ein genauer Blick auf Technik, Verbrauchsprofile und Wirtschaftlichkeit: Der Winter ist kein Hemmnis für Photovoltaik, sondern ein natürlicher Teil eines funktionierenden Jahresmixes.
Im Sommer entsteht der Großteil des Solarstroms – und dieser hohe Ertrag macht eine PV-Anlage wirtschaftlich sehr attraktiv. Im Winter hingegen liefert die Anlage genau die Kilowattstunden, die besonders wertvoll sind: Sie decken Grundlasten ab, unterstützen Wärmepumpen und reduzieren Netzbezug in einer Phase höheren Energieverbrauchs.
Wichtig dabei: PV-Module arbeiten bei niedrigen Temperaturen effizienter, der Winterstrom wird in Mehrfamilienhäusern nahezu vollständig genutzt, und moderne Energiemanagementsysteme schöpfen kurze Sonnenspannen bestmöglich aus.
Für Vermieter:innen bedeutet das: Mieterstrom funktioniert zu jeder Jahreszeit, der Winter ist voll einkalkuliert, und das Modell bleibt dank stabiler Gesamtjahresproduktion verlässlich wirtschaftlich. Photovoltaik ist ein Ganzjahressystem: Sommer sorgt für hohe Erträge, Winter für wertvollen Direktverbrauch – gemeinsam ergibt das ein stabiles, wirtschaftliches Projekt.
Im Winter entstehen in Deutschland typischerweise 10–20 % des Jahresertrags. Je nach Standort liefern Module pro 1 kWp:
Selbst geringe Erträge werden in Mehrfamilienhäusern fast vollständig direkt verbraucht.
Ja, begrenzt. Wärmepumpen benötigen im Winter mehr Strom – und jede kWh PV-Strom mindert den Netzbezug. Kurze sonnige Mittagsfenster eignen sich ideal zum Laden von Warmwasserspeichern.
Nein, sie ist für den maximalen Jahresertrag optimiert. Eine steilere Neigung wäre im Winter etwas besser, würde aber den Sommerertrag reduzieren. Die gängigen 30–35° sind der beste Kompromiss für einen stabilen Jahresmix.
Ja – eindeutig. Die Wirtschaftlichkeit basiert auf dem Jahresertrag, der zu 70–90 % im Sommer entsteht. Der Winter liefert zusätzlich wertvollen Strom, der teuren Netzbezug ersetzt und Grundlasten deckt.
Nein, in der Regel nicht. Schnee rutscht bei typischen Dachneigungen (30–35°) meist selbstständig ab. Aktives Entfernen ist riskant und lohnt sich in den meisten Fällen nicht.
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